2. Raumnot

Am zweiten September 1950 wurde das neue Schulgebäude als „Schelling-Volksschule Leonberg“ feierlich durch den damaligen Bürgermeister Carl Schmincke, der auch den Namen der Schule vorgeschlagen hatte, eingeweiht. Es verstand sich als Teil der „Volksschule Leonberg“, zu der eben auch noch die Spitalschule gehörte. Die Leitung der Schule übernahm Konrektor Adolf Hirschburger, dem die Schlüsselgewalt vom Rektor der Spitalschule, Christian Pfaff, übergeben worden war. Ab 1953 leitete Hirschburger die Schule dann als Rektor (bis zu deren Eigenständigkeit 1956).   Organisatorische Probleme in dieser Anfangszeit gab es zuhauf; so bat man wiederholt um die Schaffung und Einrichtung eines Lehrmittelzimmers, denn Lehrmittel wie Landkarten, Bilder und Modelle mussten bis dato in den Klassenräumen gelagert werden – die Folgen waren Verschmutzungen und Beschädigungen der Wände. Ebenso wurde die Einrichtung eines Lehrerzimmers gewünscht, wie Konrektor Hirschburger schreibt:   „Die Lehrkräfte wissen nicht, wo sie sich in ihren Hohlstunden aufhalten sollen, wenn an ihren Klassen durch Geistliche oder Hilfskräfte Religionsunterricht erteilt wird.“   Kleinere Schwierigkeiten in dieser Anfangszeit waren auch noch „verlauste Bäume im Schulgarten“und schon damals „Einbrüche in Schulhäuser“.  Und nicht zuletzt galt die größte Fürsorge des Lehrkörpers der Gesunderhaltung der Schüler; so wandte sich Hirschburger noch im September 1950 an den Stadtpfleger mit der Bitte um die Lieferung von Koks, denn: „Als Vorbeugungsmittel gegen die Kinderlähmung wird empfohlen, die Kinder vor Erkältungen zu schützen.“ Im Jahre 1952 waren an der Volksschule (Schellingschule und Spitalschule) 31 Lehrkräfte tätig: 22 Lehrerinnen und Lehrer, zwei Aushilfskräfte, fünf ständige Religionslehrkräfte sowie zwei Hilfskräfte für Krankheitsfälle, dies bei einer Schülerzahl von 843 Volksschülern und 120 Berufsschülern!   1954 wurde auf ständiges Drängen der Elternschaft hin die erste „Aufbauklasse“(heute: Realschule) eingerichtet; gleichzeitig wurde die erste „Hilfsschulklasse“ (heute „Förderschule“) eröffnet. Dies bedeutete aber, dass zwei Klassen der Volksschule wieder aus dem Gebäude der Schellingschule ausgelagert werden mussten, sodass das Raumproblem der Leonberger Schulen nach wie vor nicht gelöst war, im Gegenteil: da Aufbau- und Förderklassen in den nächsten Jahren immer mehr wurden, sah man sich gezwungen, die komplette Volksschule in das alte Wehrbezirkskommando in der Bahnhofstraße auszulagern.   1957 schließlich wurden Spital- und Schellingschule getrennt, die Volksschule damit in zwei selbstständige Schulen aufgeteilt; die Schellingschule erhielt 16, die Spitalschule 10 Lehrkräfte. Den Amtssitz hatte die Spitalschule inne, Rektor der Schellingschule wurde Walter Ernst (bis 1961). Unter seiner Ägide wurde 1960 der Hilfsschulzug selbstständige Sonderschule, der Aufbauzug selbstständige Mittelschule. Damit wurden auch die bis dato etwas verwirrenden Raumverhältnisse geklärt: Die Mittelschule (Realschule) zog nun in das Gebäude der Schellingschule auf dem Distelfeld. Neuer Rektor der Schellingschule wurde 1961 Hermann Steimle, (bis 1966), der zuvor Schulleiter der Spitalschule gewesen war (1957 – 1961). Dieser berichtete am 19. Februar 1962 in einem Brief an Bürgermeister Otto Rexer von „mißlichen und untragbaren Raumverhältnissen“, weil die Volksschule in fünf verschiedenen Gebäuden untergebracht war, „wodurch eine Zusammenarbeit außerordentlich erschwert wird“, und kam zu folgender Schlussfolgerung:   „Abhilfe könnte meines Erachtens nur durch einen großzügigen Ausbau des Schellingschulgebäudes geschaffen werden.“ Dieser Hilferuf wurde erhört, und 1962 wurde das Architekturbüro Pfanzler und Müller mit der Planung für die Aufstockung und bauliche Umgestaltung sowie für den Erweiterungsbau des alten Schellingschulgebäudes betraut, welche 1963 in die Tat umgesetzt wurde. Gleichzeitig wurde das Gebäude der Gerhart-Hauptmann-Realschule eingeweiht. Allerdings gab es nun wiederum Probleme mit der namentlichen Bezeichnung: Die Schellingschule, deren altes Gebäude 1963 abgerissen wurde, war ja ursprünglich als Volksschule (Hauptschule) gegründet worden, nun gab es aber gleich vier Bezeichnungen, die seit 1963 alle dasselbe Gebäude, nämlich das im Spitalhof, meinten:   Schellingschule Leonberg – Volksschule Schellingvolksschule Schellingvolksschule (Spitalschule) Schelling (Spital)- Volksschule Leonberg   Man kam deshalb 1964 zu dem Schluss, die Volksschule im Stadtteil Leonberg, die bisherige Spitalschule, künftig Schelling-Volksschule zu nennen. Diese Namensfestlegung wurde von Schülern, Lehrern und Eltern aber nie akzeptiert, man sprach immer noch stets von der Spitalschule, wenn man das entsprechende Gebäude meinte.   Wegen des rapiden Bevölkerungsanstiegs im Stadtteil Ramtel feierte am 23.10. 1965 auch die August-Lämmle-Volksschule ihre Einzugsfeier. Und auch bezüglich der Klassenstrukturen gab es Neuerungen: So wurde im Jahr 1965 das fünfte Schuljahr an Hauptschulen eingeführt, dem sich im Schuljahr 1966/67 auch die Schulen in Leonberg, Gerlingen und Malmsheim anschlossen.


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